Die Zukunft hat längst begonnen
Als ich zur Schule ging, habe ich gelernt: Auf der Welt gibt es drei Milliarden Menschen. Das war für mich damals eine unvorstellbare Zahl. Im Moment leben 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde. Und schon 2012 wird die Sieben-Milliarden-Grenze überschritten sein. Wenn ich mir diese Zahlen so vor Augen halte, beschleicht mich ein ungutes Gefühl, und ich frage mich: Wie lange werden sie wohl noch reichen, unsere Bodenschätze, das Korn auf den Feldern, unsere Wasservorkommen und all die anderen natürlichen Ressourcen? Ich finde es bedrückend, wie viel wir oft achtlos davon verbrauchen und dabei denken, Natur auf diesem Planeten sei endlos. Das ist sie nicht, vor allem dann nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Wann werden wir endlich umsteuern?
Wer der Atomkraft das Wort redet, behindert den Umstieg auf Alternativen
Bis zum Jahr 2012 ist es ein Wimpernschlag. Wir befinden uns dann mitten in der Legislaturperiode des nächsten Thüringer Landtags. Man könnte auch sagen: Die Zukunft hat längst begonnen. Gemessen daran halte ich manche Debatte, die wir heute führen, für ziemlich kleinkariert. Etwa die nach der Zukunft unserer Energieerzeugung. Der Zwischenfall im Kernkraftwerk Krümmel bestätigt mir einmal mehr, wie wichtig es war, sich in Deutschland auf ein Ausstiegsszenario aus der Atomkraft festzulegen. Für mich ist der Streit, ob es der Union gelingen wird, die Uhr wieder zurückzudrehen, mehr als nur Wahlkampf. Ich bin überzeugt: Wer der Atomkraft das Wort redet, der behindert den Ausbau erneuerbarer Energien. Wir stehen jetzt und heute vor einer Systementscheidung: Setzen wir auf Vergangenheit mit Atommüll, der in zehntausend Jahren noch strahlt, machen wir weiter so mit Kohle und Öl – oder besinnen wir uns auf Alternativen, die bezahlbar sind und unsere Erde schonen? Ich bin kein Träumer. Natürlich weiß ich, dass mehr als 40 Prozent des deutschen Stroms aus Kohlekraftwerken stammen. Die kann man nicht von heute auf morgen abschalten. Aber den Hebel herumreißen und ein Ausstiegs- und Übergangsszenario schaffen, das geht jetzt und gleich. Thüringen könnte es schaffen, den Anteil von erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch auf 40 Prozent zu steigern. Doch wenn wir das bis 2020 erreichen wollen, müssen wir heute anfangen. Und zwar nicht mit Trippelschritten, sondern mit mutigen Entscheidungen.
Politisches Bekenntnis nötig zu umweltverträglichen Formen der Energieerzeugung
Welche das sind? Zum Beispiel der Einsatz öffentlicher Gelder, um in großem Umfang private Investitionen auf den Weg zu bringen. Das Bundesumweltministerium hat ausgerechnet, dass das marode Atommülllager Asse in Niedersachsen, das ursprünglich tausend Jahre halten sollte, aber bereits nach 40 Jahren undicht wurde, den deutschen Steuerbürger die gigantische Summe von 2,4 Milliarden Euro kostet. Wäre das nicht gut angelegtes Geld für ein Investitionsprogramm zum raschen Ausbau erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung? Je eher wir auf dem Weg in die Zukunft sind, umso besser für die Umwelt. Doch nicht nur das. Hier entstehen die Jobs der Zukunft.
Drei Milliarden Menschen, das war einmal. Im Jahr 2050 werden es übrigens schon mehr als neun Milliarden sein. Aber bringen uns die einzelnen Zahlen wirklich weiter? Wenn überhaupt, dann sollten sie dazu führen, dass wir nicht erst morgen oder irgendwann, sondern schon heute einen anderen Blick auf die Welt werfen, die uns umgibt – auf die Gemeinde, in der wir wohnen, auf unsere Heimatstadt, unser schönes Thüringen oder auf unseren Planeten insgesamt. Jeder kann etwas tun – nur anfangen müssen wir endlich.